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Heinrich oder Heinrich Martin? Eine Namensfrage mit Folgen

Wie es öfter vorkommt, blättere ich durch Akten, die ich zuvor schon mehrfach gelesen habe. Dabei ist mir heute eine handgeschriebene Information ins Auge gestochen.

Es ging um die Akte von Christine Therese Maria Früchtning, der ältesten Tochter, geboren 1889 und verstorben 1907 in der Provinzial-Irrenanstalt in Neustadt in Holstein.

Dort wurden die Namen der Eltern abgefragt, die sie selbst per Hand eintrug.

Dabei wird ihr Vater – mein Ururgroßvater – als Heinrich Martin Früchtning, geboren 1868 in Altona, genannt.

Das Geburtsjahr lässt sich durch die Eheurkunde von Heinrich Früchtning und Elisabeth Christine Wichmann, geboren 1856 in Itzehoe, bestätigen.

Des Weiteren liegt mir das Eheregister meines Urgroßvaters William Cornelius Gustav Früchtning & seiner Ehefrau Gertrud Agens Thießen aus dem Jahr 1945 vor . Dort wird sein Vater als Heinrich Früchtning geführt. Ein expliziter Sterbevermerk fehlt zwar, jedoch ist ausschließlich der „letzte Wohnort“ angegeben. Diese Formulierung deutet erfahrungsgemäß darauf hin, dass er zum Zeitpunkt der Eheschließung bereits verstorben war – allerdings ohne Angabe des Sterbeortes.

Da ich zudem im Besitz einer Haftakte meines Urgroßvaters bin, findet sich dort hinter den Angaben zu seinen Eltern bei Heinrich Früchtning ein Kreuzzeichen (†) mit der Jahreszahl 1926. Daraus lässt sich schließen, dass er im Jahr 1926 verstarb.

Mehrere Indizien sprechen dafür, dass sein Sterbeort Lütjenburg gewesen sein könnte.

Mir selbst liegt bislang weder ein Kirchenbucheintrag noch eine Sterbeurkunde von Heinrich Früchtning vor. Lediglich die Eheurkunde belegt eindeutig seine Existenz.

Ich habe nun das erste Eheregister von William Cornelius Gustav Früchtning beantragt – Die Ehe fand 1924 mit Joahnna Henriette Luise Goldmann in Kiel statt, also 2 Jahre vor dem Tod von Heinrich Früchtning (1926).

In der Hoffnung, dass dort nicht nur die Namen der Eltern, sondern auch deren Geburtsdaten vermerkt sind.

So könnte sich klären:

Hieß er tatsächlich nur Heinrich – oder doch Heinrich Martin Früchtning?

Sobald das Eheregister eingetroffen ist, werde ich den Wohnort von 1924 mit dem letzten bekannten Wohnort laut Eheregister von 1945 vergleichen.

Sollten beide Angaben übereinstimmen, werde ich eine gezielte Anfrage an das zuständige Archiv stellen, um seine Sterbeurkunde zu erhalten.

Diese Urkunde ist ein entscheidender Schlüssel in meiner Forschung.

Da ich mittlerweile auf gut fünf Archivunterlagen warte, werde ich mich nun zunächst wieder der Online-Recherche widmen und Zeitungsportale durchsuchen.

Schwere Kuppelei

Heute bin ich in meiner genealogischen Forschung ein großes Stück weitergekommen – und wieder zeigt sich, wie erstaunlich und komplex Familiengeschichte sein kann.

Ich habe mir erneut eine Akte aus der ehemaligen Irrenanstalt Schleswig angesehen. Sie betrifft Christine Therese Maria Früchtning, geboren 1889.

In dieser Akte findet sich der bemerkenswerte Vermerk:

Mutter ist Tochter der Schwester des Vaters ihres Ehemanns.

Christine Therese Maria Früchtning – Akte


Diese Formulierung ließ mich aufhorchen, sodass ich den familiären Zusammenhang genauer überprüft habe.

Der Stammbaum im Überblick

Christine Therese Maria Früchtning

Vater: Heinrich Früchtning

Mutter: Elisabeth Christine Wichmann

Eltern von Elisabeth Christine Wichmann

Mutter: Christine Margarethe Früchtning

Vater: Hans Heinrich Wichmann

Eltern von Heinrich Früchtning

Vater: Heinrich Christoph Ludwig Früchtning

Mutter: Elisabeth Katharina Thieding

Nach genauer Prüfung stellte sich heraus:

Christine Margarethe Früchtning war die Schwester von Heinrich Christoph Ludwig Früchtning.

Damit ergibt sich folgendes Bild:

Das Kind von Heinrich Christoph Ludwig Früchtning und das Kind seiner Schwester Christine Margarethe Früchtning

heirateten später einander und bekamen gemeinsam Kinder.

Einordnung

Diese Konstellation erklärt rückblickend sowohl den Vermerk in der Anstaltsakte als auch frühere Hinweise auf den Tatbestand der „schweren Kuppelei“, wie er in zeitgenössischen Akten und Berichten erwähnt wird.

Solche Verbindungen waren im 19. Jahrhundert rechtlich, kirchlich und gesellschaftlich hoch problematisch und wurden häufig erst Jahre später in medizinischen oder behördlichen Unterlagen offen benannt.

Für meine Forschung ist diese Entdeckung ein wichtiger Schlüssel, um frühere Akten, Zeitungsberichte und familiäre Brüche besser einordnen zu können.