Heute bin ich in meiner genealogischen Forschung ein großes Stück weitergekommen – und wieder zeigt sich, wie erstaunlich und komplex Familiengeschichte sein kann.

Ich habe mir erneut eine Akte aus der ehemaligen Irrenanstalt Schleswig angesehen. Sie betrifft Christine Therese Maria Früchtning, geboren 1889.

In dieser Akte findet sich der bemerkenswerte Vermerk:

Mutter ist Tochter der Schwester des Vaters ihres Ehemanns.

Christine Therese Maria Früchtning – Akte


Diese Formulierung ließ mich aufhorchen, sodass ich den familiären Zusammenhang genauer überprüft habe.

Der Stammbaum im Überblick

Christine Therese Maria Früchtning

Vater: Heinrich Früchtning

Mutter: Elisabeth Christine Wichmann

Eltern von Elisabeth Christine Wichmann

Mutter: Christine Margarethe Früchtning

Vater: Hans Heinrich Wichmann

Eltern von Heinrich Früchtning

Vater: Heinrich Christoph Ludwig Früchtning

Mutter: Elisabeth Katharina Thieding

Nach genauer Prüfung stellte sich heraus:

Christine Margarethe Früchtning war die Schwester von Heinrich Christoph Ludwig Früchtning.

Damit ergibt sich folgendes Bild:

Das Kind von Heinrich Christoph Ludwig Früchtning und das Kind seiner Schwester Christine Margarethe Früchtning

heirateten später einander und bekamen gemeinsam Kinder.

Einordnung

Diese Konstellation erklärt rückblickend sowohl den Vermerk in der Anstaltsakte als auch frühere Hinweise auf den Tatbestand der „schweren Kuppelei“, wie er in zeitgenössischen Akten und Berichten erwähnt wird.

Solche Verbindungen waren im 19. Jahrhundert rechtlich, kirchlich und gesellschaftlich hoch problematisch und wurden häufig erst Jahre später in medizinischen oder behördlichen Unterlagen offen benannt.

Für meine Forschung ist diese Entdeckung ein wichtiger Schlüssel, um frühere Akten, Zeitungsberichte und familiäre Brüche besser einordnen zu können.